Wenn die Monstera zum Hygienethema wird

Kaum ein Thema hat die Gestaltung von Arztpraxen in den vergangenen Jahren so geprägt wie die Sehnsucht nach mehr Natürlichkeit. Wartezimmer wirken heute wohnlicher, natürliche Materialien halten Einzug und begrünte Wände oder Moosbilder sind längst keine Seltenheit mehr. Das Ziel ist klar: Eine angenehme Atmosphäre schaffen, die Ängste reduziert und Patienten wie Mitarbeitern mehr Wohlbefinden vermittelt. Doch genau an diesem Punkt stellt sich häufig eine Frage:

 

Sind Pflanzen in einer Ordination überhaupt erlaubt?

Die Antwort lautet: Ja – aber nicht überall.

Warum Grün in der Ordination mehr ist als ein Gestaltungstrend

Der Wunsch nach einer naturnahen Gestaltung folgt einem internationalen Konzept, dem sogenannten Biophilic Design. Studien zeigen, dass natürliche Elemente Stress reduzieren, das Wohlbefinden fördern und zu einer angenehmeren Wahrnehmung von Räumen beitragen können. Gerade in Arztpraxen, wo Unsicherheit und Anspannung zum Alltag vieler Patienten gehören, kann eine beruhigende Umgebung einen positiven Beitrag leisten. Auch Mitarbeiter profitieren von einer angenehmen Arbeitsumgebung, die Konzentration und Zufriedenheit fördern kann.

Nicht jeder Raum ist für Pflanzen geeignet

Aus hygienischer Sicht wird jedoch zwischen unterschiedlichen Bereichen unterschieden. In hochsensiblen Bereichen wie Operationsräumen, invasiven Behandlungsräumen, Dialysebereichen oder Räumen für immungeschwächte Patienten sind natürliche Blumen und Pflanzen grundsätzlich verboten. Auch in klassischen Behandlungsräumen werden Pflanzen kritisch gesehen. So weisen die Hygieneleitlinien der Ärztekammern darauf hin, dass Schnittblumen und Topfpflanzen in Behandlungsräumen nicht zulässig sind. Anders sieht es in Wartezonen, Anmeldungen oder Beratungsräumen aus. Dort dürfen Hydrokulturen, Pflanzen in Granulat oder Schnittblumen grundsätzlich aufgestellt werden, vorausgesetzt, sie werden fachgerecht gepflegt und regelmäßig gereinigt.

Die größte Herausforderung heißt nicht Bewässerung, sondern Pflege

Pflanzen bringen nicht nur Leben in den Raum, sondern auch Verantwortung. Erde, abgestorbene Pflanzenteile und Staub können hygienische Probleme verursachen. Deshalb verlangen die Empfehlungen der Stadt Wien, dass Pflege- und Reinigungsmaßnahmen nicht durch medizinisches Personal durchgeführt werden. Auch größere Arbeiten wie Umtopfen oder eine Grundreinigung sollten außerhalb medizinisch genutzter Bereiche stattfinden. Damit wird deutlich: Nicht die Pflanze an sich ist das Problem, sondern ihre Pflege.

Sind Moosbilder und begrünte Wände die neue Generation des Grüns?

Besonders beliebt sind derzeit Moosbilder und vertikale Begrünungen. Sie finden sich zunehmend in Empfangsbereichen und Wartezonen und sollen Natur, Akustik und Gestaltung miteinander verbinden. Aus hygienischer Sicht lohnt sich jedoch ein genauer Blick. Lebende Pflanzenwände benötigen Bewässerungssysteme und regelmäßige Pflege. Dadurch entstehen zusätzliche Anforderungen an Reinigung und Wartung. Konservierte Moosbilder nehmen hier eine Sonderstellung ein. Sie bestehen nicht aus lebenden Pflanzen, benötigen weder Erde noch Wasser und wachsen nicht weiter.

Gestaltung und Hygiene müssen kein Widerspruch sein

Die Diskussion um Pflanzen zeigt exemplarisch, dass sich Wohlfühlatmosphäre und Hygiene nicht gegenseitig ausschließen. Entscheidend ist vielmehr, den richtigen Ort und die passende Ausführung zu wählen. Während Pflanzen in Behandlungsräumen kritisch zu beurteilen sind, können sie in Wartebereichen, Empfangszonen oder Verwaltungsbereichen einen wertvollen Beitrag zur Raumqualität leisten.

Quellen

  • MA 15 – Gesundheitsdienst der Stadt Wien, Hygieneleitlinie Nr. 12 „Blumen und Pflanzen in Gesundheitseinrichtungen“ (2017)
  • Ärztekammer für Oberösterreich, Hygieneleitfaden für Ordinationen
  • Hygiene-Verordnung 2014
  • Biophilic Healthcare Design – Fachbeiträge zur gesundheitsfördernden Gestaltung von Gesundheitseinrichtungen